MMM: Rock oder Hose?

Rock oder Hose? fragt Heibchenweise heute, und ich habe mir deine Überschrift einfach geklaut, liebe Sarah. Mir geht heute es ähnlich wie dir, nur habe ich einen anderen Schnitt gewählt.

Ich mag Hosenschnitte mit einem breiten Formbund, der nicht ganz taillenhoch ist, daher hatte mich der Schnitt aus der Burda 04/2020 gleich angesprochen. Und der Stoff, den ich dafür verwendet habe, hat auf genau diesen Schnitt gewartet. Und zwar über 20 Jahre lang.

Der Stoff ist Wildseide und ein Überbleibsel aus meiner ersten Nähzeit, als ich um die 20 war, und war damals ein eher biederes Kleid mit einfach in Falten gelegten Rockteil. Ich hatte dadurch zwei Stoffbahnen von ca. 90 x 110 cm auf Lager und wusste einfach nicht, was ich damit anfangen soll. Aber Seide schmeiße ich einfach nicht weg, die Farbe gefiel mir immer und der Stoff ist wunderbar weich.

Aber das Horten hat sich gelohnt. Bei dieser Culotte sind die Schnittteile ziemlich breit, aber nicht allzu lang, genau das Richtige für meine Stoffreste. Und weil ich für den Innenbund und die Taschen einen anderen Stoff gewählt habe, reichte er auch für den vorgeschlagenen Bindegürtel.

Bei diesem Schnitt ist die Schrittnaht extrem tief, so kurz vor dem Knie, das mag ich gar nicht. Letztendlich habe ich drei (!) Zentimeter an den oberen Kanten weggenommen, und es kneift immer noch nichts. Die Tascheneingriffe sind dadurch ziemlich klein geworden, geht aber noch.

Dafür habe ich die Taschenbeutel größer gemacht, kann man besser die Hände drin vergraben. Und hinten zwischen Bund und Hose kam auch noch eine Tasche dazu, da stört das schwere Smartphone am wenigsten.

Also, ich bin sehr zufrieden mit meiner Culotte, so wie sie jetzt ist. Getragen habe ich sie allerdings noch nicht, ihr wisst schon, das Wetter. Und auch heute bin ich nach den Fotos schnell wieder in meine Jeans und Ugg-Boots gestiegen. Die neue Sommerhose muss auf den Sommer warten.

So, dann hole ich mir einen Kaffee und freue mich auf das, was die anderen beim heutigen Me-Made-Mittwoch zeigen. Habt es fein!

 

In Kürze:
Schnitt: burda style 04/2020, Nr. 111, Gr. 42, Falten um ca. 3 cm verschmälert, obere Kante 3 cm tiefer
Stoff: Wildseide aus dem Uralt-Bestand

 

Stoffspielereien: Fransen

Die Idee zum Thema der heutigen Stoffspielereien, Fransen, fiel mir buchstäblich in die Hände. Als ich mein neues Leinenkleid zuschnitt, gefiel mir die Stoffkante mit den feinen Streifen so gut, dass ich sie nicht einfach wegwerfen wollte. Und nachdem der Rand etwas fransig ist, fügte es sich aufs Allerbeste zu der Ideensuche für die Stoffspielereien, und so ziert sie jetzt den Ausschnitt und die Ärmel meines neuen Kleids ..äh.. Hemds. Dazu später mehr.

Eigentlich ist mein kleiner Beitrag zu den Stoffspielereien damit auch schon  erzählt. Aber noch ein paar Worte zum Stoff. Es handelt sich Essex Yarn Dyed Linen, einer Leinen-Baumwoll-Mischung des Herstellers Robert Kaufman. Ines von Nähzimmerplaudereien verwendet sie gerne und oft, und ich kann ihre Begeisterung für die Stoffqualität verstehen und teilen.

Warum allerdings letztes Jahr bei einer Internetbestellung gleich zwei Meter dieses seltsamen Brauntons mit in den Warenkorb gewandert sind, kann ich im Nachhinein schlecht erklären. Corona-Shutdown-Ausfallerscheinungen vielleicht. Oder dieses „wenn ich noch einen Meter mehr dazulege, spare ich mir die Versandkosten…“

Der Stoff trägt sich recht angenehm, etwas kratzig vielleicht. Knittert wenig bzw. hängen sich die Falten schnell wieder aus. Relativ dicht, also eher etwas für den Übergang als für ein Sommerkleid.

Tja, ein Kleid ist es nicht geworden, bei der ersten Anprobe erwies es sich als zu kurz, so dass ich schließlich noch etwas mehr kürzte und jetzt eine neue Hemdbluse statt eines Kleides habe.

Wen es interessiert, hier noch ein paar Sätze zum Schnitt. Ich wollte unbedingt ein schmal geschnittenes Hemdblusenkleid mit Passe und halber Knopfleiste. Einen entsprechenden Schnitt konnte ich nicht finden, so dass ich letztlich einen Schnitt für eine Bluse (burda style 11/2019) nahm und ihn entsprechende verlängerte. Leider nicht genug… Für die halbe Knopfleiste fand ich gute Vorlagen und Anleitungen im Internet unter dem Stichwort „Popover Placket Tutorial“, z. B. bei oliver + s.

Tja, ich trauere etwas um mein fehlendes Hemdblusenkleid, ich werde mich bald auf die Suche nach einem neuen Stoff für dieses Projekt machen.

In Kürze:
Stoff: Essex Yarn Dyed Linen von Robert Kaufman, Farbe Espresso, ca. 2m
Schnitt: burda style 11/2019, Nr. 117, mit Falte im Rücken und (letztlich) um 15 (vorne) bzw. 20 cm verlängert, Gr. 40-44

 

Die Stoffspielereien
Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Die nächsten Termine:
30.05.2021: „Exotisch“ bei Petersilie & Co
27.06.2021: „Nähfüße“ bei Nähzimmerplaudereien
Sommerpause
26.09.2021: „Risse und Schlitze“ bei nahtlust
31.10.2021: „Punkte und Kreise“ bei Schnitt für Schnitt
28.11.2021: „Glitzer tröstet“ bei Tyche

Einen Überblick über die bisherigen Stoffspielereien, die schon seit 2012 laufen,  findest Du bei Siebensachen zum Selbermachen.

MMM in schwarz

So unpassend, wie ich letzte Woche noch dachte, bin ich mit meinem wärmenden Outfit heute nicht. Draußen ist alles weiß…

Da ist zum Einen meine neue Fleecejacke, mit Fleece aus Bio-Baumwolle und nach dem Schnitt le 205 von dp studio, mit der ich sehr glücklich bin. Das Besondere an dem Schnitt ist die unterschiedliche Linienführung der Seitenteile links und rechts, die dank des schwarzen Stoffes bei meiner Jacke leider gar nicht auffällt.

Schwarze Klamotten zu fotografieren ist immer dämlich. Ich habe die Bilder extra in der Sonne gemacht, damit man zumindest ein klein wenig die Details erkennen kann.

Der Fleece wird nach dem Waschen ziemlich plüschig, aber weil ich keine Teddy-Jacke wollte, habe ich einfach die linke Seite nach außen genommen und die Plüschseite nach innen. Und weil der Stoff auch ziemlich dick ist, habe ich die Außenkanten der Belege nicht nach innen umgeschlagen, sondern mit Schrägband versäubert und danach mit Hand festgenäht.

Die Jacke sitzt wirklich ganz schön eng, mehr als ein schmales T-Shirt passt da nicht drunter. Insbesondere die Ärmel sind sehr eng, aber der Stoff ist ausreichend dehnbar, wenn ich mit den Armen erst mal drin bin, passt sie wie angegossen.

Nicht so glücklich bin ich mit meiner neuen Hose nach dem Grasser-Schnitt 453. Die ist zwar sau-bequem, sieht aber eher seltsam aus, wie ich finde.  Die zwei Vorderteile vorne überlappen sich nur, ohne Reißverschluss, und geschlossen wird die Hose durch die Schnallen und verdeckte Knöpfe. Bei mir passen die überlappenden Teile nicht richtig übereinander und stehen ab. Braucht man im Schrittbereich natürlich nicht. Ich habe die Teile etwas aufeinander genäht, damit  sich zumindest keine unfreiwilligen Einblicke ergeben.

Meine Vermutung ist, dass mir die Hose einfach zu eng ist, obwohl die bestellte Größe 48 genau meinen Maßen entspricht. Nachgemessen habe ich nicht. Vielleicht habe ich auch etwas falsch genäht. Der Schnitt kommt nur mit einer sehr kurzen, kryptischen Anleitung, die nicht besonders hilfreich war.

Für diese erste Version habe ich nur einen Probestoff genommen, aber eine weitere Version wird es vermutlich nicht geben, zu kompliziert scheinen mir die Anpassungen.

In Kürze:
Jacke:
le 205 von dp studio, Gr. 40, Hüfte 42, Ärmel um 1cm verlängert, Stoff Fleece aus Bio-Baumwolle, bestellt über Biostoffe.at (unbedingt vorher waschen)

Hose: Schnitt No. 453 von Grasser Patterns, Gr. 48 (Länge 170-176), geschenkter Probestoff