Stoffspielereien – Texturen aus der Natur

Nach einer langen Sommerpause starten heute wieder die Stoffspielereien. Ich hatte das Thema „Texturen aus der Natur“ vorgeschlagen und hoffe, mit dem etwas sperrigen Titel niemanden abgeschreckt zu haben.

Vor ein paar Jahren gab es das Thema so ähnlich auch schon bei den Stoffspielereien: von der Natur inspiriert. Auf einem Pinterest-Board habe ich einige Beispiele und Inspirationen zum Thema zusammengestellt. Und jetzt bin ich sehr gespannt, was für die Stoffspielereien heute erstellt wurde:

  • Tyche hat sich einen Yukata, einen Morgenmantel, genäht und mit Bildern eines Frauenmantels (der Pflanze) im Knötchenstich bestickt. Sehr aufwändig!
  • Ute (Textile Werke) hat sich ein Skizzenbuch angelegt und viele der Strukturen, die sie gefunden hat, mit Mixed Media ausprobiert. Ein Schatz an Inspiration!
  • Stoffnotizen hat aus Fäden in vielen verschiedenen Grüntönen eine herrlich weiche Grasfläche nachgearbeitet.
  • Gabi (Made with Blümchen) hat ihren schönen 3D-Blattdruck mit Blattrippen bestickt.
  • Auch Annabella hat wieder mitgemacht und ihren Beitrag bei Gabi veröffentlicht. Mittels Monoprint hat sie eine Unterwasserwelt geschaffen.
  • Silvia (Petersilie&Co.) widmet ihren Beitrag den Flechten, erzählt viel Wissenswertes über diese Lebensform und spürt ihnen sehr gekonnt mit Stoffen und Fäden nach.
  • Mond (Bimbambuki) hat derzeit nur begrenzte Mittel zur Verfügung und schafft damit eine kleine bezaubernde Stickerei von Zweigen und Blüten.
  • Elvira (Zwischendurch) zeigt einige ihrer Werke, manche fertig, manche im Versuchsstadium, gedruckt, gestickt, gequiltet, appliziert. Sehr ideenreich!
  • Siebensachen zeigt neue Techniken mit viel Potential: Frottage, Sonnendruck und Breakdown-Printing mit Blättern. Da will ich am liebsten gleich mitmachen!
  • Und Ute (123-Nadelei), die Meisterin des Upcyclings, nutzt alte Jeans, um damit Wellen nachzubilden.

 

Ich hatte mir zunächst dieses Bild von einer Wasseroberfläche als Vorlage ausgesucht und mit Stoffmalfarbe einen Hintergrund geschaffen, der die Steine und das Wasser farblich abbildet.

Anschließend versuchte ich, mit Freihandsticken auf der Maschine und farblich passendem Stickgarn, die Wellenstruktur und die Spiegelungen auf der Wasseroberfläche nachzuahmen. Der Stoff ist mit einem dünnen Vlies hinterlegt, um etwas Struktur ins Werk zu bekommen.

Nach den ersten Stichen hatte ich mich innerlich verflucht, weil das Stück ca. 40x40cm groß ist, aber dann stellte ich schnell fest, dass mit der Maschine das Sticken doch nicht sooo lange dauert. Und dass das Freihandsticken Spaß macht.

Trotzdem, ohne Vorlage ist wohl nicht zu erkennen, was das Ganze darstellen soll.

Deshalb startete ich noch einen zweiten Versuch, diesmal mit einem Bild von einer Baumrinde. Diesmal nahm ich normale Acrylfarbe, davon habe ich einfach mehr im Haus, und dass der Stoff davon sehr steif wird, erschien mir kein Nachteil zu sein.

Eigentlich wollte ich den Stoff dann in kunstvolle Falten legen, aber das funktionierte überhaupt nicht. Es entstanden einfach immer nur schön gleichmäßige und gerade Falten, wie man es sonst gerne bei Vorhängen hätte und nie hinbekommt.

In einem zweiten Versuch hinterlegte ich den Stoff dann mit einem wirklich dicken Vlies und nähte die Furchen der Täler.

Das Ergebnis? Naja. (Wenn ich nicht Gastgeberin heute wäre, hätte ich es wohl gar nicht erst gezeigt.) Das fängt schon damit an, dass die Farben überhaupt nicht passen. Nach dem Trocknen war der Stoff recht einheitlich dunkelgrün geworden, dabei ist die Rinde braun und durch die Flechten grau. Man könnte natürlich noch nachmalen, aber jetzt lege ich den Versuch erstmal beiseite.

Durch das Ausprobieren ist mir bewusst geworden, dass es recht einfach und zugleich wirklich schwierig ist, Bilder aus der Natur nachzubilden. Einfach, weil man das Material und die Techniken nutzen kann, die man zu Hause hat und auch für andere Werkeleien einsetzt. Aber es erfordert wirklich viel Ausprobieren und Üben und Können, um ein stimmiges Werk entstehen zu lassen.

Die Stoffspielereien
Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Die nächsten Termine:
25.10.2020: „Textile Behältnisse“ bei Feuerwerk by kaze
29.11.2020: „Skandinavien“ bei Nähzimmerplaudereien
Dezember: Weihnachtspause

Einen Überblick über die bisherigen Stoffspielereien, die schon seit 2012 laufen,  findest Du bei Siebensachen zum Selbermachen.

Das blaue-Blumen-Kissen

Erinnert sich noch jemand an den ‚blaue‘-Blumen-Quilt? Der Patchwork hängt noch immer so an der Wand, wahrscheinlich werden wir geblendet von der weißen Wand sein, wenn ich ihn mal wieder abmache. Ich war mir damals wegen des Quiltens sehr unsicher, und bekam daraufhin viele hilfreiche Kommentare und auch eine sehr nette Email von einer stillen Leserin. Es ist immer toll, Resonanz zu bekommen, sei es als Kommentar, per E-Mail oder persönlich, vielen Dank!

Jedenfalls bin ich den Tipps gefolgt, und habe mich erstmal an einem kleineren Stück versucht. Die Cyanotypien stapeln sich hier, und der Eimer mit dem Indigo war im Sommer auch schnell griffbereit, um noch ein paar Shibori-Stücke zu ergänzen. Daraus ist dann ein passendes Kissen-Top geworden.

Und mit dem probierte ich dann ganz vorsichtig das Handquilten. Mit verschiedenen Garnen und Nadeldicken und -längen, sehr langsam und ganz sicher nicht gleichmäßig.

Ich fürchte, mir würde die Geduld fehlen, auf einen ganzen Quilt ein volles Quiltmuster mit der Hand zu nähen. Großer Respekt für alle, die das machen. Für das Kissen (und den Wandquilt) gefällt es mir ohnehin besser, nur einige Stellen mit dem Quilten zu betonen. (Wobei da sicher noch mehr geht.)

Effektvoll sind die weißen Vorstiche auf dem blauen Stoff, das Nachsticken einzelner Elemente wie den Stängeln fällt dagegen kaum auf. Auch die Stiche auf den unruhigen Shibori-Flächen gehen eher unter, da bräuchte es eine andere Garnfarbe oder dickeres Garn. Gut gefällt mir meine gestickte Blume, die passt da einfach hin.

Die Rückseite des Kissens ist ebenfalls ein Shibori-Indigo-Stoff.

Diesmal nähte ich den Reißverschluss einfach sichtbar ein, stört auch nicht.

Der Wandquilt wird wohl noch eine Weile unvollendet bleiben, jetzt stehen erstmal die Stoffspielereien am kommenden Sonntag (hier ein paar Ideen, macht mit!) und die Kleidung für die baldige Erstkommunion an, und dann wohl noch das eine oder andere für die Herbstgarderobe.

MMM: geschenkt!

Bevor der Sommer ganz zu Ende geht, muss ich noch schnell die kurze Hose zeigen, die ich meinem Mann zum Geburtstag genäht habe. Der Schnitt ist der gleiche wie vor vier Jahren, abgenommen von einer geliebten Kaufhose. Die erste Hose wurde durchaus auch gerne und oft getragen, allerdings war der Stoff nicht besonders gut und bereits nach ein paar Wäschen sehr ausgebleicht.

Am Schnitt selbst änderte ich daher nicht viel. In der Taille durfte es diesmal etwas enger werden und die Hose bekam einen richtigen Bund, das sieht, finde ich, einfach besser aus.

Ein paar Verarbeitungsrafinessen habe ich eingebaut. Da ist zum einen der Hosenschlitz. In der Rundschau 04.2019 war eine Anleitung enthalten, die zeigt, wie man auch bei dicken Stoffen wie Jeans einen sauberen Hosenschlitz näht. Sie ist übrigens auch auf der Homepage der Zeitschrift zu finden, soweit ich sehen kann, vollständig! Anfangs war ich etwas abgeschreckt, weil die Anleitung so lang ist, aber wie sich beim Nähen zeigte, liegt das nicht daran, dass es kompliziert ist, sondern weil alles superausführlich beschrieben ist. Ich finde vor allem den Untertritt clever konstruiert.

Für die Taschen habe ich die Anleitung für die Walnoot Pants verwendet, wo die Taschenbeutel so verstürzt werden, dass man keine offenen Kanten mehr hat. Einfach und clever, mache ich jetzt immer so.

Und für die seitlichen Blasebalgtaschen kam die Anleitung für eine Hose aus der burda 1/2020 zum Einsatz. Die sind gerade groß im Kommen, oder? Cargohosen scheint der neuste Trend zu sein, und ich glaube, da muss ich auch bald eine haben.

Das Nähen der Taschen war schlussendlich weniger knifflig als gedacht, nur die Form und Größe habe ich etwas angepasst, und die Klappen mit unsichtbaren Druckknöpfen versehen.

Leider scheine ich bei der Stoffwahl auch diesmal kein glückliches Händchen gehabt zu haben. Der Stoff ist ein Coupon von Karstadt, Baumwollköper mit Elasthan. Ich tue mich immer schwer, so was zu finden, daher habe ich ganz glücklich gleich einen ganzen Berg dieser Coupons gekauft, in allen möglichen Farben. Der schwarze hier ist aber etwas angeraut, und zieht deshalb jeden Staub magisch an. Insbesondere bei schwarz sehr unpraktisch.

Nun ja, der Mann ist ja nicht so kritisch wie ich, und zieht die Hose trotzdem gern und oft an. Toll, oder?

Darf das heute zum Me-Made-Mittwoch, auch wenn es nicht „for me“, sondern „for him“ ist? Ich bin einfach mal so frei.

In Kürze:
Schnitt: selbsterstellt, abgenommen von einer Kaufhose
Stoff: Baumwollköper mit Elasthan von Karstadt, 1,20m