Mein erstes Quilt-Kissen

Dieses Kissen hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Nicht nur, dass es meine erste Quilt-Arbeit ist, es ist auch verbunden mit einem wunderbar entspannten und fröhlichen Treffen mit Ines (Nähzimmerplaudereien) und Ingrid (Nähkäschtle). Von unseren Färbereien mit Indigo am zweiten Tag hat Ines schon berichtet. Neben dem Färben habe ich mit den beiden auch ein paar Stoffe mit Cyanotypie blau bedruckt.

Am ersten Tag aber waren wir mit Nähen beschäftigt. Ines hatte Ingrid versprochen, ihr das Quilten mit Rulern zu zeigen, und da schloss ich mich gleich an. „Quilten mit Rulern“ bedeutet, dass man mit versenktem Transport den Nähfuß an einer Kante eines Lineals (engl. ruler) entlangführt. Das kann auch gebogen sein, hier seht ihr ein Beispiel von Ines. Ich war zu beschäftigt und habe mal wieder vergessen, Bilder während der Arbeit zu machen.

Gemeinsam werkelten wir an dem großen Nähtisch in Ingrids Arbeitszimmer, und irgendwas sucht man dabei immer. Ines hatte für uns ein kleines Projekt entworfen, zeigte uns, wie man die Muster näht und beruhigte uns mit viel Geduld, wenn wir mal wieder über die unregelmäßigen und schiefen Stiche schimpften. Und sie hat recht: in der Gesamtschau fallen die Ungleichmäßigkeiten so gut wie gar nicht auf.

Der Stoff für die Zwischenstreifen ist übrigens eine Cyanotypie-Arbeit von mir, und mit ganz viel Stückeln reichte er auch noch für einen langen Schrägstreifen für das Binding außen herum. Auch das Einfassen mit dem Binding war neu für mich.

Für die Rückseite habe ich mir noch einen Stoff mit Arashi Shibori in Indigo gefärbt. Eigentlich ist er etwas zu unruhig für das grafische Vorderteil, aber das bleibt jetzt so, das Binding will ich nicht nochmal neu machen.

Und einen Reißverschluss bekam das gute Stück auch noch:

Schaut mal bei Ingrid: sie zeigt heute auch ihr fertiges Kissen, und das war für mich der nötige Anstupser, diesen Beitrag endlich fertig zu schreiben. Damit verlinke ich mich stolz mit der monatlichen Linkparty auf Patchen & Quilten.

MMM: Shirts, Shirts, Shirts

Manchmal kommt es mir vor, als ob sich Hobbynäherinnen in zwei Kategorien einteilen lassen: die, die gerne Schnittmuster in Serie nähen, und die, die immer Neues brauchen. Ich gehöre eindeutig zur zweiten Kategorie. Basisteile nähen ist etwas, das ich gerne vor mir her schiebe. Daher ist mein T-Shirt-Stapel im Laufe der Zeit immer kleiner geworden. Aber langsam stand ich vor der Wahl: einkaufen gehen oder T-Shirts nähen.

Da kam mir die Rundschau von Müller & Sohn vom Juni gerade rechtzeitig ins Haus (die Zeitschrift heißt übrigens seit kurzem nur noch M. Müller & Sohn, aber der Name Rundschau wird sicher nicht so schnell verschwinden). Ich habe das Zeitschriften-Abo letztes Jahr als Weihnachtsgeschenk bekommen, und wenn ich sie auch wenig „nutze“, lese ich sie doch sehr gerne. Die Zeitschrift heißt im Untertitel „Fachmagazin für Mode & Schnitt-Technik“, wendet sich also eher an ein Fachpublikum, aber ich mag die Mischung. Es geht um Trends in der Laufstegmode, Entwicklungen und Portraits aus der Designer- und Schneiderbranche, und Schnitterstellung (auch etwas Ausgefalleneres wie Sport- oder Berufsbekleidung). Jede Ausgabe hat einen Schnittmusterbogen ohne jede weitere Anleitung und Musterbilder, und der im Juni bestand eben aus Schnitten für T-Shirts.

Die vier Schnitte sind unterschiedlich weit, mit verschiedenen Ausschnitten, Ärmeln und Saumabschlüssen, also sehr praktisch als Grundlagenschnitt mit Baukasten, und damit ideal, um meine T-Shirt-Flaute zu bekämpfen.

Meine T-Shirt Nr. 1 ist das enge T-Shirt mit V-Ausschnitt. Das passt soweit sehr gut, nur der Ausschnitt war sehr halsnah, den habe ich um einiges tiefer ausgeschnitten. An den Schultern ist es mir etwas eng, da werde ich nächstes Mal etwas zugeben müssen, aber sonst erfüllt es meinen Bedarf an enge Basis-Shirts hervorragend.

In Kürze:
Schnitt: Modell 2 aus der M.Müller und Sohn 06.2020, Gr. 38, Hüfte 42, Ausschnitt vergrößert
Stoff: Baumwolljersey aus dem Bestand

Nr. 2 ist das Shirt mit Raglanärmeln. Auch hier habe ich den Ausschnitt deutlich größer gemacht. Und auch hier bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Ich mag Raglanärmel. Der Aufdruck ist übrigens für die Stoffspielereien zum Thema Monogramme entstanden, er zeigt die Anfangsbuchstaben meines Namens in der Kombinationsschrift nach Josef Albers.

In Kürze:
Schnitt: Modell 3 aus der M.Müller und Sohn 06.2020, Gr. 40, Hüfte 44, Rundhalsausschnitt vergrößert
Stoff: Baumwoll- und Viskosejersey aus dem Bestand

Übrigens: viele der Artikel zur  Schnitterstellung und zu Nähtechniken findet man (verkürzt) auch auf der Internetseite von Müller & Sohn.

Auf der Suche nach einfachen T-Shirt-Schnitten kommt man kaum an dem Kirsten Kimono Tee von Maria Denmark vorbei, und das ist mein T-Shirt No. 3.

Weil ich erst nach dem Zuschneiden gemerkt hatte, dass ich beim Papierschnitt vergessen hatte, an der hinteren Mitte den Rand wegzuschneiden, ziert den Rücken nun eine Naht. Das Muster vorne ist abgebunden und mit Indigo gefärbt.

Das Shirt mag ich sehr gern, auch wenn der Stoff für den Sommer und für locker fallende Kleidung etwas zu dick ist. Auch etwas, was ich bei meiner T-Shirt Näherei für mich abgespeichert habe: Standard-Baumwolljersey ist für Sommershirts tendenziell zu dick, ideal ist eher so 160 g/m2.

In Kürze:
Schnitt: Kirsten Kimono Tee von Maria Denmark, Gr. M, Hüfte L, deutlich verkürzt (hintere Länge 56 cm)
Stoff: Baumwoll-Stretch-Jersey von Stoff&Stil

Weil ich das Konzept, Schnittmuster mit einem Nähmagazin zu kombinieren spannend finde, habe ich mir noch dazu die dritte Ausgabe des Maria Denmark Sewing Life Magazine mit dem Schwerpunkt T-Shirts gekauft.

T-Shirt Nr. 4 ist das Modell mit überlappenden Ausschnitt aus dem Sewing Life Magazine. Damit die Überlappung aus zu sehen ist, habe ich die Rückseite aus einem einfarbigen Stoff genommen. Ich mag den Ausschnitt sehr und er ist megaschnell genäht. Wegen der Dreiviertel-Ärmel ist das Shirt eher etwas für den Herbst, aber der kommt bestimmt schneller als mir lieb ist.

Im Magazin gibt es für die aufwändigeren Nähschritte wie die Ausschnitte ausführliche Beschreibungen mit Bildern. Ergänzt wird das dann um Artikel, wie man einen Bischofsärmel konstruiert, den Schnitt für gerundete Schultern anpasst, eine Stickerei hinzufügt und ein paar Sachen mehr. Aktuell konnte ich nichts davon nutzen. Ich denke, ich würde ein anderes der Sewing Life Magazine nur kaufen, wenn mich die Schnitte ansprechen.

In Kürze:
Schnitt: Sewing Life Magazine 3 von Maria Denmark
Stoff: bedruckter Jersey von Stoff&Stil (Rest von diesem Kleid), blauer Jersey aus dem örtlichen Stoffladen

Ein paar mehr T-Shirts kann ich noch brauchen, aber zumindest bin ich jetzt schon mal wieder versorgt, und habe einen guten Vorrat an unterschiedlichen Schnitten.

Damit verlinke ich mich zum hochsommerlichen Me Made Mittwoch im August. Habt einen schönen Tag!

 

Inspirationen für die Stoffspielereien

Heute ist der letzte Sonntag im Monat (schon wieder!), der übliche Stoffspielereien-Termin, aber wir machen gerade Sommerpause. Ende September geht es weiter, und dann bin ich Gastgeberin mit dem Thema „Texturen aus der Natur“. Das klingt etwas sperrig, deshalb zeige ich heute schon mal ein paar Anregungen. Das Thema will ich ja schon seit längerem mal ausprobieren, aber ich traue mich nicht richtig ran. Da hilft doch so ein Termin ungemein, etwas Schaffensdruck aufzubauen.

Was die Idee dahinter ist: Strukturen aus der Natur oder Bilder von Landschaften aufzugreifen, und sie auf Stoff und mit Stoff und Faden umzusetzen. Viele tolle Beispiele dafür versammle ich auf meinem Pinterest-Board, und ich werde es sicher in den nächsten Wochen noch ergänzen.

Quelle: freenaturestock.com
Quelle: freenaturestock.com

Das Thema gab es so ähnlich auch schon bei den Stoffspielereien im September 2017: von der Natur inspiriert. Gabi, was ist eigentlich aus deinem damaligen Projekt geworden? Wäre es eine Idee, das weiterzumachen?

Image by StockSnap from Pixabay

Was mir so als Verarbeitungsmöglichkeiten einfällt:

  • Stoffe bemalen und/ oder besticken (Beispiele von Lincs in Stitches oder Ute/ Textile Werke)
  • Chenille (Ute sah in meinem Kissen eine Feldlandschaft von oben)
  • Appliqué oder Reverse Appliqué (sehen die Färöer auf dem Bild unten nicht schon so aus, als wären sie aus Stoff?)
  • Ecoprint, und damit die Strukturen der Blätter abbilden
Färöer Inseln, ESA Earth observation image of the week
  • Großartig ist auch die Serie „Texturen der Natur“ von Karen (feuerwerkbykaze) und Ulrike ( Ulkau). Die beiden arbeiten auf Papier, nicht auf Stoff, aber es ist ungemein inspirierend, ihnen beim Entstehungsprozess ihrer Bilder über die Schultern zu schauen.
Quelle: freenaturestock.com
Quelle: freenaturestock.com

Vielleicht begegnet ihr in den nächsten Wochen Texturen oder Strukturen in der  Landschaft, die ihr stofflich verarbeiten wollt? Und bevor ich jemanden abschrecke: es darf gerne auch gegenständlicher sein! Hauptsache, es hat etwas mit Natur zu tun.

Habt einen schönen Sommer!

Die Stoffspielereien
Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Die nächsten Termine:
27.09.2020: „Texturen aus der Natur“ bei Schnitt für Schnitt
25.10.2020: „Textile Behältnisse“ bei Feuerwerk by kaze
29.11.2020: (Thema noch offen) bei Nähzimmerplaudereien
Dezember: Weihnachtspause

Einen Überblick über die bisherigen Stoffspielereien, die schon seit 2012 laufen,  findest Du bei Siebensachen zum Selbermachen.