Stoffspielereien: Biesen

Es gibt von Max Mara eine Tasche, die ich schon oft in Zeitschriften bewundert habe, die aber mein Budget um das Zehnfache überschreitet. Sie hat abgesteppte Biesen, und daher diente sie mir als Inspiration für das Thema der Stoffspielereien diesen Monat.

Die Grundidee war, eine Naht mittig in den Biesen verlaufen und die Biesen auch deutlich hervortreten zu lassen. So sieht mein fertiges Werk aus, umgesetzt in einen Grete-Geldbeutel von Machwerk, und es ist im Großen und Ganzen auch so geworden, wie ich es haben wollte.

 

Aber zunächst gab es erst mal ein paar Versuche an einem Reststück Kunstleder. Die zeigten schnell: eine Naht links und eine Naht rechts ergeben einfach eine abgesteppte Naht, nichts biesenähnliches (links und 2. von links). Bei der Verwendung der Zwillingsnadel war die Biese dann schon nicht mehr ganz so flach (3. von links), aber das beste Ergebnis gab es beim nächsten Versuch (4. von links). Erst die Naht, dann eine zweite Naht 1 mm neben der ersten Naht und dann die Nahtzugaben auseinanderbiegen und absteppen. Leider wollte mir so ein gleichmäßiges Ergebnis kein zweites Mal gelingen, daher war auch das nicht praktikabel. Letztlich sieht meine Lösung so aus, dass ich beim Absteppen der Nähte links und rechts jeweils eine Schnur eingenäht habe, um den Volumeneffekt zu erzeugen.

Die Außenhülle des Geldbeutels ist ein kupferfarbenes Kunstleder, die Produktion sah dann so aus wie auf dem nächsten Bild zu sehen. Der Reißverschluss-Fuß leistete mir gute Dienste. Die Biesen treten leider auf der Rückseite schöner hervor als auf der Vorderseite.

Ein zusätzlicher Effekt ist noch dadurch eingebaut, dass die Nähte am Schluss wieder aufgetrennt wurden und so der darunter liegende Stoff hervorblitzt. Zum Stabilisieren sind die Nähte in der Mitte und an den Rändern aber fest verbunden. Den roten Baumwollstoff habe ich dahinter geklebt. Mit den Biesen mitnähen wäre vermutlich am Besten gewesen, aber sehr diffizil in der Umsetzung, und das Kunstleder verzeiht ja leider keine Heftnähte.

 

Innen hat der Geldbeutel einen schönen japanischen Stoff (von kiseki), und in der inneren Reißverschlußtasche darf ebenfalls der rote Baumwollstoff hervorblitzen.

Das Grete Schnittmuster wurde übrigens auch erst vorab getestet, da entstand ein Geldbeutel passend zu meiner Ewa-Tasche, und ich benutze ihn seither begeistert.

Mehr Stoffspielereien zum Thema Biesen sammelt heute Griselda von Machwerk.

Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.
25.2.2018: Gesichter  (Nahtlust)
25.3.2018: Falten (Schnitt für Schnitt)
29.4.2018: Schlipse  (FeuerwerkbyKaze)
27.5.2018: Japan  (madewithBlümchen)
24.6.2018: Thema noch offen  (Nahtzugabe)

26 Gedanken zu „Stoffspielereien: Biesen“

  1. Oh Gott, ist das eine schöne Grete. Eine der schönsten die ich jemals gesehen habe.
    Perfekte Biesen und ganz anders gefüllt als ich das vermutet hätte. Sehr clever ist auch dass du die Füllung beim RV weggelassen hast- das Problem habe ich mit einem angenähten Extrastoffstück umschippert 🙂
    Ganz großes Kino, ich pinne das mal, ja?
    Du solltest unbedingt mal Leder nähen, das wird dann noch wertiger und schöner.
    Und altert in Würde!!

    1. Danke!! Darfst du natürlich gerne pinnen. Das mit dem Extrastoffstück ist mir aufgefallen. Auch eine gute Idee. Hier liegt eine halbfertige Carpet Bag mit Leder – mehr Leder nähen wäre schon eine feine Sache, die entsprechende Nähmaschine dazu erst recht. LG Christiane

  2. Liebe Chriatiane,
    die Grete ist der Wahnsinn! Der Effekt mit den aufspringenden Biesen ist klasse – das muss ich unbedingt auch mal probieren.
    Worüber ich grad noch nachdenke: Du hast doch die ursprünglichen Nähte zwischen den einzelnen Kunstlederstücke wieder aufgetrennt. Gabe das keine Löcher? Weil auf dem Bild sieht man ja nichts.
    Und dass Du es geschafft hast, die Biesen bis an den Rand zu führen und den Reißverschluss direkt daran anzunähen – puhh.
    Liebe Grüße
    Ines

    1. Danke! Doch, gibt auch Löcher, aber dadurch, dass sie seitlich sind, fallen sie nicht so auf. Ich habe für diese Heftnaht auch extra eine 70er Nadel verwendet, um die Löcher klein zu halten (und habe im weiteren Verlauf vergessen, sie wieder zu tauschen, sie ist dann auch prompt gebrochen, als es dicker wurde). Ich habe die Schnur 1 cm vor dem Ende abgeschnitten, so dass die Nahtzugaben keine verdickten Biesen hatten, das hat gut funktioniert (man sieht es auf dem Bild mit der Nähmaschine). LG Christiane

  3. Also das ist eine super Idee, die Biesen zueinander zulaufen zu lassen. Der Effekt ist grandios, und das werde ich mir definitiv mal merken! Danke fürs Zeigen und Glückwunsch zu diesem genialen Geldbeutel – ein Traum!
    LG. Susanne

    1. Danke! Lustig – zueinander zulaufen lassen, so hätte ich das gar nicht gesehen, und ich musste erst eine Weile überlegen, wie du das meinst. Und schon poppt die nächste Idee in mir hoch – der Austausch bei den Stoffspielereien macht wie immer große Freude! LG Christiane

  4. Sensationell! Und die Erfahrung, dass die Rückseite plastischer wird als die rechte Seite, lässt sich sicher noch ein andermal kreativ verwerten.
    Ich finde, dass man bei den regelmäßigen Mitspielerinnen einen deutlichen Zuwachs an kreativem Mut und Souveränität im Umgang mit der Idee und Materialien beobachten kann. Das ist sehr schön und bewundernswert zu sehen.
    LG, Bele

    1. Ja, bei einem Stoff mit schöner Rückseite, lässt sich bestimmt weiter damit spielen. Danke für deine tolle Einschätzung, ich kann das Lob nur an andere regelmässige Teilnehmerinnen weitergeben, so wie Ute Textile Werke und FeuerwerkbyKaZe, deren Kreativität ich sehr bewundere. LG Christiane

  5. Sensationell schön diese Grete, absolut edel!
    Und das Herausblitzen des Unterstoffes ist noch mal ein extra-Kick. Deine Maschine scheint Leder aber auch super zu nähen. Darf ich fragen an welcher du arbeitest?
    Mit deinem Kommentar des Versteifens hast du sicher recht, ich hatte gedacht die Einlage am Futter würde ausreichen.
    Viele Grüße Karen

    1. Danke! Ich habe eine brother innovis NV 1100. Mit der bin ich sehr zufrieden, nur ist der Bereich um die Nadel sehr zugebaut, da ist es manchmal schwierig, Stiche exakt zu setzen. Dieses kupferfarbene Kunstleder ist allerdings recht weich und hat außer mit der Oberflächenstruktur mit Leder sonst nicht viel zu tun. LG Christiane

  6. Wow, da kann ich mich den zahlreichen Lobtexten nur anschliessen. Respekt auch zur Verarbeitung von so sperrigen Material, das hat sich gelohnt: Spitzenergebnis.
    Deine Ergebnisse der Experimente mit der eingelegten Schnur führen in Richtung Paspel. Ich finde es immer spannend, wenn Techniken sich kreuzen.
    LG Ute

    1. Danke, Ute! Ja, wie du auch schreibst, scheint der Begriff „Biesen“ für unterschiedliche Arten der Verarbeitung genutzt zu werden. LG Christiane

  7. Der Geldbeutel ist der absolute Hammer. Und sowas selbstgenäht ist ja noch um ein vielfaches wertvoller als gekauft. Ich hab mich bislang noch nicht an Taschen und Geldbeutel rangetraut, nähe Kleider für die Kinder und Deko. Aber wenn ich soweit bin, hab ich dank euch schon 1000 Ideen im Kopf😃. Danke für die Inspiration und Glückwunsch zu soviel Talent

    1. Vielen Dank! Das ist das Schöne an den Stoffspielereien, einfach mal ausprobieren und wenn es was wird, kann man es weiterverwenden und wenn nicht, hat man auch etwas gelernt. Es gibt ja auch viele einfache Taschenschnitte, mit denen man gut in die Taschennäherei starten kann.

  8. Das ist ein wunderwunderschönes Stück geworden – ich finde es toller als die Taschen-Inspiration. Wie sauber Du gearbeitet hast! Gefällt mir richtig gut, würde ich auf der Stelle und mit Kusshand nehmen 🙂

    Liebe Grüße!

  9. Die MaxMara Tasche gefällt mir ja auch supergut, aber so wie bei Dir: Nur wegen des Labels gebe ich sicher nicht so viel Geld aus. Selbermachen lautet die Devise, nicht wahr?
    Also: Dein Ergebnis finde ich toll, und vor allem, dass Du unterschiedliche Möglichkeiten durchgetestet hast. Ich glaube, bei der MaxMara Tasche sind die Biesen auch gefüllt, auf einem Detailfoto sieht das so aus. Spannend, das habe ich bei dieser Stoffspielerei gelernt: Der Unterschied zwischen Biesen (klein) und Falten (größer), und dass Biesen häufig gefüllt werden. Ich teile die Begeisterung für die Grete, die Du genäht hast – sie sieht richtig, richtig Klasse aus! Ich freu mich, wenn wir bald bei dir mit Falten weiter experimentieren! lg, Gabi

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