NähFrauenReisen Sew Along: Ideensammlung

Anfang Mai treffen sich eine große Runde nähbegeisterter Frauen in Frankfurt zum fröhlichen Beisammenein, Fachsimpeln und Quatschen. Ich bin dabei und freu mich schon so auf das Wiedersehen und neu Kennenlernen! Das Ganze wird organisiert von Muriel (Nahtzugabe5cm) Anja (Nordendnaht), Claudia (Kaffebrod) und Sabine (Langsame Schildkröte). Ich danke euch!

Weil wir nicht zusammen nähen werden, gibt es im Vorfeld einen kleinen Sew Along, das Bewundern all der schönen selbstgenähten Kleidung gehört zu so einem Treffen definitiv dazu. Die Idee des Sew Alongs ist, möglichst viel Vorhandenes zu nutzen, Upcycling, Refashion, gut abgelagerte Stoffschätzchen…

Für mich soll der Sew Along Anstoss sein, zwei Ufos fertig zu machen.

Da ist zum einen eine Jacke, die ich passend zum Kleid für die Erstkommunion meines Sohnes genäht habe. Die fand ja erst im Oktober statt, und zum Kleid trug ich meinen Wollmantel, die Jacke hatte also keine Verwendung. Ich habe sie aber auch seither nicht getragen.

Die Jacke ist nach dem Schnitt burda 2/2018 #106 genäht, aus dem gleichen Stoff wie das Kleid, und soweit eigentlich fertig. Ich fremdle mit zwei Dingen.

Erstens die Ärmelaufschläge, die habe ich mit H200 bebügelt, damit sie beim Krempeln auch halten, aber das ist viel zu steif geworden. Die müssen also weg. Entweder ich ersetze sie durch unverstärkte Aufschläge (muss mal schauen, ob ich noch genug Stoff habe) oder durch das dunkelblaue Bündchen (das reicht noch). Und zweitens überlege ich noch, ob ich vielleicht doch Druckknöpfe zum Verschließen an die Blende mache.

Das zweite Projekt ist die Otsu Jeans von Papercut Patterns (gibt es nicht mehr zu kaufen), und die ist wirklich ein Ufo. Die hatte ich nämlich letztes Jahr nach der ersten Anprobe in die Ecke geschmissen, weil sie so gar nicht gut passte.

Wenn ich mir die (aktuellen) Fotos so anschaue, bin ich aber gar nicht mehr so pessimistisch. Vorne im Schritt ist zu viel Stoff, das muss irgendwie angepasst werden. Wie, weiß ich nicht, das Problem habe ich sonst nicht. Irgendwelche Ideen? Und hinten hängt die Taille unangenehm tief (man sieht es am seitlichen Bild ganz schön). Da habe ich noch genug Stoff, um die Passe neu und höher zuzuschneiden. Hinterlasst mir gerne Kommentare  oder Änderungsvorschläge!

Wer näht noch mit? Bei Muriel kann man alle Beiträge verlinken.

Stoffspielereien: Cording

Zu den Stoffspielereien heute hat Martina von Machwerke eingeladen, uns mit dem Thema „Cording“ zu beschäftigen. Eine klassische Technik, die in der Stoffspielereien-Bibel von Colette Wolff ausführlich beschrieben wird. Bei meiner Suche nach Inspiration bin ich darauf gestoßen, dass auch die schönen Schnursteppereien an Dirndl-Miedern zu dem Thema passt. Ich bin gespannt, ob jemand aus der Stoffspielereien-Runde schon mal so ein Mieder gemacht hat.

Dieses Portemonnaie würde auch gut zum Thema passen. Ich ließ mich aber von etwas anderem leiten: Stoffnotizen hatte mich in einem Kommentar daran erinnert, dass auch das Ergebnis der Smocking-Stoffspielereien von Januar 2021 einen Rahmen verdient hat. Und so entstand die Idee, einen Bilderzwilling zum Smock zu machen, aus dem gleichen Stoff, mit einem ähnlichen Muster.

Das Muster lehnt sich an das Smocking-Muster an, aber mit Kordelkreuzungen, die wollte ich auch ausprobieren. Ähnlich wie bei den Schnursteppereien habe ich als Rückstoff einen grob gewebten Stoff genommen, einen ungewaschenen Baumwoll-Etamine). So musste ich beim Durchziehen der Kordel den Stoff nicht einschneiden, sondern konnte einfach ein Loch bohren.

Das Stück von hinten, mit den fertigen Nähten, bevor ich gemerkt habe, dass ich die Umschlingungen gerne spiegelbildlich hätte.

Mit der Fangnadel ging das Einziehen ganz gut, aber man muss schon ordentlich ziehen und zerren, um die Kordel um die Kurven und durch die Löcher zu kriegen.

Die Kordel steht an den Kreuzungen jeweils ein gutes Stück über. Das verhindert, dass die Kordel im Tunnel verloren geht und von vorne fällt das nicht auf.

Hier das gerahmte Ergebnis:

Und hier zusammen mit dem Bilder-Zwilling, sind eindeutig zwei-eiig:

Im Vergleich zu der feinen Smocking-Arbeit wirkt das Cording-Bild etwas grob. Es ist eben wie so oft: sobald man etwas ausprobiert, stellt man schnell fest, wie es geht und wie es besser geht. Nächstes Mal würde ich die Tunnel etwas enger nähen, mit einer dünneren Kordel und vielleicht sogar mit Hand.

Die Stoffspielereien
Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Die nächsten Themen:

Einen Überblick über die bisherigen Stoffspielereien, die schon seit 2012 laufen,  findest Du auf stoffspielereien.net.

MMM: Morgan Jeans and selvedge dreams

Letztes Jahr hatte ich mir Stoff bei dp studio bestellt, unter anderem einen ganz wunderbaren dunkelblauen festen Denim. Mir gefiel die Webkante, die einen schmalen lila und orangenen Farbstreifen hat, und da fiel mir der Artikel über Selvedge Jeans ein, der in der Rundschau 10.2020 zu finden ist (nicht im Netz, und leider war der Schnitt dazu ein Herrenschnitt). (Selvedge Denim hat eine typische klassische Webkante, die bei Selvedge Jeans durch umgekrempelte Hosenbeine sichtbar wird, hier und hier kann man mehr dazu lesen.)

Auf der Suche nach einem Schnitt für eine Selvedge Jeans kam ich auf die Morgan Jeans von Closet Core Patterns (auf deren Blog wird Selvedge Denim als Ausgangsbasis genannt). Allerdings braucht es ein paar Anpassungen, damit man wirklich auch die Webkante an der Seitennaht nutzen kann.

Beim Vorderteil ist das einfach, da muss man nur die Hosenbeine etwas verbreitern, damit die Seitennaht von der Hüfte bis zum Fuß parallel zum Fadenlauf verläuft. Bei der Hinterhose geht das nicht so einfach, da ist die Seitennaht kurviger geschnitten. Da mein Stoff aber eh nicht lang genug war, um Vorder- und Rückteil untereinander an der Webkante anzulegen, teilte ich das Rückteil etwas über Kniehöhe. Oberhalb ist der Originalschnitt, unterhalb ist das Hosenbein wie bei der Vorderhose verbreitert und parallel zur Webkante.

Beim Nähen gab ich mir ordentlich Mühe: Sattelnähte und Innenbeinnähte sind mit echter Kappnaht und alle Topstitchnähte mit kupferfarbenen Garn abgesteppt. Nur die Nieten fehlen, sollte ich vielleicht noch ergänzen.

Der Hosenschlitz ist allerdings mit Reißverschluss, nicht mit Knöpfen wie im Schnittmuster vorgesehen.

Die Probehose saß eigentlich ganz vielversprechend, so dass ich ohne große Änderungen den schönen Denim zuschnitt und losnähte. Umso größer war dann die Überraschung, als ich die fast fertige Hose anprobierte und überall komische Falten hatte. Alles Herumprobieren und Anpassen der Schrittnaht half da nicht mehr, und inzwischen ist mein Verdacht, dass bei dieser speziellen Schnittführung mit dem Fadenlauf mehr oder weniger parallel zur Seitennaht und boyfriend Schnitte allgemein bei ausgeprägten Hüften ein guter Sitz einfach nicht machbar ist.

Ich liebe meine fertige Hose trotzdem sehr und tröste mich damit, dass der schlechte Sitz in der Regel nur dem kritischen Fachauge auffällt, und ich selbst sehe mich ja selten von hinten.

PS: beim Schreiben dieses Blogbeitrags stieß ich auf diesen Artikel. Lustig, wie sich die Erfahrungen manchmal gleichen, von der Morgan-Selvedge-Kombi über die „low seat adjustment“ bis hin zum erfüllenden Nähen in Gemeinschaft.

Verlinkt bei Me Made Mittwoch.

In Kürze:
Schnitt: Morgan Jeans von Closet Core Patterns, Größe 10-12
Stoff: Denim aus 100% Baumwolle von dp studio