Stoffspielereien: Smoken

Heute ist wieder der Tag der Stoffspielereien. Suschna von Textile Geschichten sammelt  Beiträge zum Thema „Seltene Techniken“. Oder anders gesagt, jede darf ihren eigenen sonderbaren Stoffpfaden folgen.

Ich habe Ideen aus zwei Büchern aufgegriffen. Das erste Buch ist „Stoffmanipulation“ von Ruth Singer. Wie der Name schon vermuten lässt, ein Hort von Stoffspielereien. Mir haben es die Seiten mit den Smokarbeiten angetan, insbesondere das Amerikanische Smoken (auch Kanadisches Smoken genannt).

Tatsächlich habe ich sonst in unserer gut bestückten Bücherei kein weiteres Buch gefunden, dass diese Techniken enthält. Bei der Suche im Internet stösst man zunächst statt auf Inspiration für das Damen-Nähkränzchen auf zahllose Anleitungen, wie man Fleisch zehn Stunden auf dem Grill halten kann (also definitiv ein Männerhobby). Deutsche Nähseiten kennen mit wenigen Ausnahmen nur das Gummismoken (z.B. bei pattydoo), aber auf englischsprachigen Seiten und auf Youtube wird man dann doch fündig. Auch das Forum der Nähfabrik will ich noch erwähnen.

Besonders hilfreich ist die Seite des Indian Parents Forum (was auch immer indian parents mit smoken zu tun haben). Hier werden sehr viele verschiedene Muster in ausführlichen Anleitungen gezeigt. Ich habe mir mal das Zopfmuster ausgesucht, das ich auf einer bemalten Wildseide ausprobiert habe. Im ersten Bild sieht man das Muster, jeweils die Enden der Striche werden mit einem Faden zusammengezogen und vernäht. Auf der Vorderseite ergibt sich dadurch ein plastisches Faltenmuster. Bei mir sind die Falten relativ groß geworden, weil ich dafür ein Raster von 5cm genommen habe.

Man braucht etwas Geduld, aber sonst ist das Smoken weder besonders schwierig noch besonders aufwändig.

Das zweite Buch ist „Falttechniken“ von Paul Jackson, das in der Ausgabe von 2015 auch wunderbare Beispiele zu Falten in Stoff zeigt (sonst ist der Schwerpunkt auf Papier). Ein Kapitel widmet sich den „Schattenfalten“. Ich zitiere aus dem Buch:

“ ‚Schattenfalten‘ sind das Markenzeichen des Origami-Künstlers und Designers Chris K. Palmer. In seinen Arbeiten verwendet er die Techniken des traditionellen Stoffsmokens und des Twist Folding, das in den 1970er-Jahren der japanische Origami-Meister Shuzo Fujimoto entwickelt und populär gemacht hat. In Papier wären solche Falten schwer zu bewerkstelligen, aber in Stoff werden sie mithilfe von Nadel und Faden zu einem schnellen, einfachen und doch magischen Vergnügen.“

Als Fingerübung erst mal vier quadratische Faltenkreuze.

Die Rückseite
Die Vorderseite
Die Vorderseite mit den gerade gezupften Quadraten und Falten
Und hier alles platt gebügelt

Spannender wird es mit einem dreiachsigen Gitter, hier mit Sechsecken. Zum Anzeichnen des Musters habe ich zunächst eine Schablone mit Löchern entworfen, sehr hilfreich.

Dann alle Sechsecke umnäht und anschließend zusammengezogen und verknotet.

Daraus ergibt sich ein sehr plastisches Muster mit vielen „Knöpfen“. Wie man sieht, können sich hier nicht alle Falten glatt legen, jeweils zwei Verbindungen sind verdreht. Um alle Falten glatt zu kriegen, müsste man ein Muster entwerfen, dass die Sechsecke mit Dreiecken kombiniert. Im Buch ist solch ein Beispiel von Chris K. Palmer abgebildet, von dem es wiederum ein Buch dazu gibt, das ich am Liebsten auch gleich haben möchte.

Hier noch ein Bild der Rückseite (mit verfälschten Farben), sieht auch sehr hübsch aus.

Bleibt nur noch die Frage, wer sich heutzutage über ein gesmoktes Kissen freuen würde.