Stoffspielereien: Kräuseln und Raffen

Bei Stoffnotizen wird heute zum Thema „gekräuselt und gerafft“ gesammelt. Die Bibel aller Stoffspielerinnen, das Buch „The Art of Manipulating Fabric“ von Colette Wolff, bietet dafür jede Menge Ideen und Anleitungen, ich habe mich einem kleinen Unterthema, dem „Furrowing“, zu finden auf Seite 9, gewidmet.

‚to furrow‘ heißt furchen oder runzeln, man versteht, was gemeint ist, aber eine griffige deutsche Übersetzung für diese Art der Stoffmanipulation will mir nicht einfallen. Auch die Beschreibung fand ich nicht einfach, deshalb will ich versuchen, hier eine kurze Zusammenfassung zu geben.

Man markiert sich also eine Fläche (outline of the gathered shape) auf einem Stoff, der als Basis dient (foundation stay). Der Stoff, der in Falten gelegt wird, wird etwa doppelt so groß wie die Fläche zugeschnitten (cut the fabric to be gathered and furrowed two times langer than the outline). Dann markiert man beide Stoffflächen in der Mitte und in einem gleichmäßigen Muster um die Mitte, die Abstände auf dem oberen Stoff sind dabei entsprechend größer als auf dem unteren Stoff (dot the fabric in the center and at equally space points between center and the edges).

Anschließend kräuselt man die Kanten das größeren Stoffes ein und näht diese auf die Kanten der markierten Basisfläche (gather the fabric and appliqué it to the outline marked on the stay).

Dann spannt man das Ganze in einen Stickrahmen. Meiner war zu klein, deshalb habe ich mir einen Behelf mit Bilderrahmen und Zwingen gebastelt.

Jetzt wird der obere Stoff auf dem unteren Stoff mit kleinen Stichen befestigt (tiny tacking stitches). Man fängt in der Mitte an, sticht durch den unteren und oberen Mittelpunkt und kurz neben den Punkten wieder zurück, zieht das Ganze fest und fixiert mit einem zweiten kleinen Stich (secure with a second stitch over the first). Dann fädelt man zum nächsten Punkt und macht dasselbe wieder (pulling the dot above and the dot below together). Da das Punktegitter auf dem oberen Stoff größer ist als auf dem unteren, legt sich der obere mehr und mehr in Falten.

Ich hatte mir ein streng orthogonales Muster markiert, mit Punktabständen von 5 cm oben und ca. 2,5 unten. Wenn man nur diese Punkte verbindet, bekommt man ein recht bauschiges Ergebnis. Man könnte noch weitere Zwischenpunkte verbinden, dann wird es flacher und stabiler, aber mir gefiel es so, wie es war. Ich war gespannt, ob das gleichmäßige Punktemuster ein gleichmäßiges Ergebnis gibt, aber wir ihr seht, dem ist nicht so.

Mein kleines Werk hat wieder einen Rahmen und einen Platz an der Wand bekommen. Ich könnte mir das Ganze aber auch gut auf einem Kissen, einer Tasche oder einem T-Shirt vorstellen. Dann müsste man es wahrscheinlich dichter verbinden, damit es die Benutzung stabil übersteht.

Hier sieht man noch eine lustige Variation des „furrowing“, geklebt statt genäht. Und hier mein Pinterest-Board zum Thema, falls es jemanden interessiert.

Die Stoffspielereien
Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Die nächsten Themen:

Einen Überblick über die bisherigen Stoffspielereien, die schon seit 2012 laufen,  findest Du auf stoffspielereien.net.

19 Gedanken zu „Stoffspielereien: Kräuseln und Raffen“

  1. Ohh, so toll! Super, dass Du diese Technik ausprobiert hast! Ich habe im Buch nur kurz darüber gelesen und mir war gar nicht klar, dass beide Stoffe mit einem gezielten Muster verbunden werden – danke dass Du es so gut und ausführlich beschrieben hast. Ein weiteres schönes Werk in Azur! Liebe Grüße, Kerstin

    1. Das mit dem Verbinden hatte ich beim ersten Durchlesen auch nicht verstanden, erst als ich es auf einem anderen Blog gesehen hatte. Liebe Grüße zurück!

  2. Mir gefällt das Werk auch sehr gut, vor allem so im Rahmen und in Gesellschaft der beiden anderen blauen Arbeiten. Danke für die genaue Beschreibung der Vorgehensweise, ich hätte wahrscheinlich einfach drauflos geknuffelt und wäre vermutlich enttäuscht vom Ergebnis.
    Wer kennt noch die Holzkästchen für Silberbesteck, die waren auch auf diese Art ausstaffiert.
    Liebe Grüße
    Tyche

    1. Jaa! Wir haben auch so ein Kästchen mit (sehr ungepflegten) silbernen Kuchengabeln. Da musste ich gleich mal reinschauen: du hast recht, da ist der Stoff auch so in Falten drapiert, allerdings ohne besonders befestigt zu sein.
      Unsere Bildersammlung wächst 🙂

  3. Da entsteht ja langsam eine kleine Kollektion. Wirklich schön!
    Toll finde ich übrigens auch Deine Linksammlung, wo und wie man Furrowing bei Bekleidung verwenden kann. Sehr inspirierend! Danke dafür.
    Liebe Grüße Manuela
    P. S. War schön, Dich getroffen zu haben.

  4. Super!! Ich könnte mir das auch toll auf einem Kleidungsstück vorstellen, besonders aus steiferen Stoffen, eher skulptural.
    Ist das vom Prinzip her das Gleiche wie Canadian Smoking? Das wollte ich immer mal ausprobieren, aber da muss man sich so konzentrieren 🙂

    LG Anne Sophie

    1. Mmmmh, es unterscheidet sich schon. Gleich ist, dass man mit Hilfe von kleinen Stichen den Stoff in Form bringt. Der größte Unterschied liegt vielleicht wirklich darin, dass man beim Canadian Smocking nach einem Muster arbeitet und ein sehr strukturiertes Ergebnis bekommt, während hier ja alles in Unordnung bleibt. Und man arbeitet nur mit einer Stofflage. Probier es mal aus, das macht auch viel Spaß!

  5. Ein tolles Stück ist dir gelungen, wobei auch der Link und die Anleitung hilfreich sind. Es klingt ähnlich wie man Wollkissen, das ich mal gemacht habe. Es ist immer wieder verblüffend, wie gut man Stoff zu Skulpturen formen kann, daran denkt man oft garnicht.
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag, Elvira

    1. Erstaunlich, nicht wahr? Der türkisfarbene Stoff ist für diese Spielereien aber auch ideal, dünn und glatt, aber etwas steif, dadurch hat er auch einen schönen Stand.

  6. Aha, du hast wieder einen Rahmen gefüllt. Wahrscheinlich war das auch die Idee im Hinterkopf. Du hast die Vorgehensweise sehr gut beschrieben aber dennoch musste ich zweimal lesen, bis ich’s begriffen habe. Ein interessanter Weg, um zu diesem Ergebnis zu kommen. Deine drei textilen Arbeiten in den Rahmen passen durch die gemeinsame Farbe natürlich super zusammen und der Platz an der Wand ist ideal.
    LG
    Siebensachen

    1. Ja, genau wie du! Bei der Beschreibung war ich vermutlich doch etwas zu knapp, aber 1:1 abschreiben wollte ich auch nicht, nur etwas Hilfestellung geben, falls jemand das englische Original liest und sich, wie ich, erst mal am Kopf kratzt.

  7. Wunderbar, dass du mit der Idee weitergemacht hast deine Rahmen zu füllen.
    Verrückt finde ich, dass diese streng geometrische Susgangssituation solcher Art Stoffskulptur hervorbringt, wo man das Gefühl hat, liebevoll geknautscht. Als Kissen kannn ich mir es gut vorstellen, als Tasche…evtl. aus Samt. Voluminös, wird evtl. zu schwer, aber spannend in meiner Virstellung.
    viele Grüße Karen

    1. Ja, verrückt. Aber vielleicht war man Stück einfach zu klein und zu sehr durch den gekräuselten Rand beeinflusst. Und die gleichmäßige Faltenlegung ergibt sich erst, wenn man viel mehr Reihen hat. Mit den Lichteffekten, die Samt hat, sieht das bestimmt toll aus, da stimme ich dir zu.

  8. Ahhh, die Technik habe ich vor einiger Zeit in einem Stickkurs gelernt. Lief bei mir einfach unter Gehirn, da aus schwarzem Leder im Kleinformat. Aber die optische Wirkung in grösser mit einem anderen Material sieht auch sehr gut aus

    LG Sabine

    1. Das musste ich jetzt dreimal lesen, bis ich verstanden habe, was du meinst. Aber ja, Gehirn ist eine gute Assoziation. Wie ein Gebirge von oben, fiel mir auch noch ein.

  9. Voll genial und überraschend, wie sich das trotzdem unregelmäßig legt! Auch die von dir verlinkten Beispiele sehen toll aus. Ein bisschen erinnert es mich an „Button Masala“ – hach, das wäre eigentlich auch ein tolles Thema gewesen für die letzten stoffspielereien. (An denen ich leider nicht teilgenommen habe…) Liebe Grüße, Gabi

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